In „Provenzalische Kälte“ geht es in die Haute Provence nach Gréoux-les-Bains. Einem Kurort, dessen heiße Quellen bereits vor über 2000 Jahren von den Kelten und später von den Römern geschätzt wurden. Letztere errichteten hier die ersten Bäder und nannten den Ort den Quellnymphen zu Ehren „Nymphis Griselius“, die heilenden Wasser.
Mit dem Zerfall des Römischen Reichs wurden die römischen Thermenanlagen weitgehend zerstört und im späten 17. Jahrhundert neu errichtet. Doch erst im 19. Jahrhundert erlebte das Bad seine große Blütezeit.
Sie flanierten an Zeichnungen von römischen Badegästen und Nymphen entlang. An Bildern von Pauline Bonaparte, die dem Kurort offenbar zu neuer Popularität verholfen hatte, und von eleganten Damen des neunzehnten Jahrhunderts, die sich hier nicht nur wegen Atemerkrankungen und Rheumatismus, sondern auch gegen Bleichsucht und Unfruchtbarkeit behandeln ließen.
Aus: „Provenzalische Kälte“




Auch heute noch erinnern Fotoinstallationen an die goldenen Jahre. An jeder Ecke spürt man den Hauch der Vergangenheit, die Sehnsucht nach der Belle Epoque.

Damals konnten sich nur wohlhabende Patienten die Kurbehandlungen leisten. Das änderte sich in den 1950er Jahren, als erstmals die Kosten von der Sozialversicherung übernommen wurde. 1962 übernahm die Chaîne Thermale du Soleil das Gelände. 1968 wurde das alte Kurhaus abgerissen und eine moderne Therme an dem Standort errichtet, den bereits die Römer für sich entdeckt hatten. Der neue Bau erinnert architektonisch an jene Zeit.
Die Quellen von Gréoux-les-Bains gelten als besonders heilsam. Die aus tausend Metern aufsteigenden Wasser haben bei ihrem Autritt eine Temperatur von 42 Grad und sind reich an Schwefel, Kalzium, Magnesium, Natrium und Kieselsäure. Die Thermes de Gréoux-les-Bains ziehen jährlich bis zu 35000 Kurgäste an und liegen damit auf Platz drei der französischen Thermalbäder.

Trotzdem steht das Thermalwesen unter Druck. Weil man auch in Frankreich im Gesundheitswesen sparen muss, wird diskutiert, ob die Kuren weiterhin zum aktuellen Satz von den Kassen übernommen werden sollen. Der Vorstoß, die Erstattung zu kippen, wurde im letzten Moment verhindert, doch das Thema ist noch nicht vom Tisch. Kann sich die französische Gesundheitsbehörde durchsetzen, ist es das Aus. Nicht nur für das Thermalbad, sondern auch für den Ort selbst, dessen gesamtes Wirtschaftssystem auf den Kurtourismus ausgerichtet ist.
Ich war im November 2024 und im Februar 2026 in Gréoux-les-Bains und habe einen Ort vorgefunden, der außerhalb der Saison zur Geisterstadt wird. Schön und bedrückend zugleich. In meinem Krimi heißt das Thermalzentrum übrigens „Les Thermes du Verdon“. So blieb mir reichlich Raum für einen spannenden Krimiplot.
